
Dem einen oder anderen Autofahrer mag es am Rand der Stuttgarter Straße schon aufgefallen sein – große Plakate mit verschiedenen Abbildungen und Aufschriften sollen auf ein ganz bestimmtes Thema aufmerksam machen: Einsamkeit. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, das Menschen in allen Lebensphasen treffen kann. In Schorndorf hat man sich des Themas auf eine ganz besondere Weise angenommen, mit dem Projekt „Gemeinsam. Zusammen. Sein. In Schorndorf“.
Anlässlich der bundesweiten Aktionswochen „Gemeinsam gegen Einsamkeit“, die am 25. Mai starten, möchte die Stadtverwaltung Schorndorf dazu einladen, hinzusehen, zu handeln und miteinander in Kontakt zu treten. Eine Sensibilisierungskampagne wurde diesbezüglich erarbeitet. Die Personen aus dem verantwortlichen Lenkungskreis sind unter anderem Friedrich Munsberg (Tafelladen), Diakonin Isabel Munk, Beate Härer (Abteilungsleitung Soziales und Senioren – stellvertretende Fachbereichsleitung Fachbereich Familie und Soziales), Michel Schneider (SV-Schorndorf), Simone Halle-Bosch (Sachgebietsleitung Familie und Prävention, Leitung Familienzentrum – Fachbereich Familie und Soziales) sowie Michaela Salenbauch (Vorsitzende des Seniorenforums). „ Einige Angebote im Rahmen dieses Projektes gibt es schon. Nun gehen wir einen weiteren Schritt mit einer sichtbaren Werbekampagne“, erläutert Beate Härer.
Im kleinen Heftchen des Live-Programms zu „Kultur am See“ konnte man es beispielsweise schon entdecken: Lachende Personen unterschiedlichen Alters, dazu die Aufschrift „Komm doch mit uns Spaß haben!“ Noch sichtbarer ist es an den Tafeln, die in der Stuttgarter Straße aufgestellt wurden. Theodoros Lazaridis, „toom“-Geschäftsführer, hat die Fläche kostenlos für rund vier Wochen zur Verfügung gestellt: „Die Werbefläche wurde ohnehin schon vom Oskar-Frech-Bad bespielt. Als man mit dem Projekt beziehungsweise mit dem Thema auf mich zukam, habe ich keinen Moment gezögert.“ Anfang Juni werden laut Beate Härer für ein paar Wochen fünf weitere Ortseingangstafeln dazukommen. Außerdem wird es am 3. Juni eine Auftaktveranstaltung mit einem Vortrag im Schorndorfer Rathaus geben.
Das Thema Einsamkeit – wichtiger denn je, es in den Fokus zu rücken und dafür zu sensibilisieren. Dafür kann „toom“ ein guter Ort sein. Wer einsam ist, das aber nicht sein möchte, geht unter Leute: „Einkaufen ist da eine gute Möglichkeit. Viele gehen in den Baumarkt “, sagt Simone Halle-Bosch. Theodoros Lazaridis nickt und ergänzt: „Das stimmt. Viele sehe ich jeden Tag – auch wenn sie nur auf einen Kaffee oder zum Frühstück in die Bäckerei kommen, ohne in den Baumarkt zu gehen.“ Auch seine Mitarbeiter haben die Aktion sehr positiv aufgenommen und selbst bemerkt, dass man den Blick für die Mitmenschen viel mehr schärfen könnte. „Manchmal macht schon ein freundliches ’Guten Tag’ sehr viel aus“, fügt Simone Halle-Bosch an.
Verschiedene Banner sind ein Hingucker: Motive mit fröhlichen, nachdenklichen, aber auch traurigen Gesichtern, die mit jeweiligen Aussagen aufbauen und Mut machen sollen. Einmal ist eine ältere Dame zu sehen, die alleine auf einer Parkbank sitzt, dann ein jüngerer einsamer Mann mit Migrationshintergrund. „Wir schaffen das zusammen!“ oder „Nur zusammen ist man(n) nicht alleine!“ ist da beispielsweise zu lesen. Beate Härer: „Die Kampagne soll die Menschen aufrütteln. Einsamkeit ist kein Randphänomen von älteren Menschen. Jeder von uns war in seinem Leben schon einmal einsam.“ Simone Halle-Bosch ergänzt: „Die Bilder erzählen von Nähe, Verbundenheit und dem Gefühl, gesehen und gehört zu werden.“
Die Kampagne wird noch bis Februar 2026 vom Land Baden-Württemberg gefördert. Auch darüber hinaus soll sie fortgeführt werden. Das Projekt in Schorndorf sei so konzipiert, das es im kommenden Jahr „gut weiterlaufen könnte“. Ebenso sollen die erstellten Werbematerialien weiter eingesetzt werden. „Zudem werden weitere Ideen und Impulse dazukommen“, ist sich der Lenkungskreis sicher. „Die Rückmeldungen zeigen, dass das Thema einen Nerv trifft. Deshalb werden wir weiter dranbleiben“, verspricht Beate Härer. Zwei weitere Projekte sind konkret in Planung: das sogenannte Plaudertelefon und der Austausch-Treff für (werdende) Mütter.
Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Stadt Schorndorf unter der Adresse https://www.schorndorf.de/de/stadt-buerger/engagement-soziales/gemeinsam-zusammen-sein