
Von Barbara Pienek
Veröffentlicht: 25.06.2026, 15:56

Gabriele Schmidt-Klering weiß als erfahrene Trauerbegleiterin, wie man mit Kindern und Jugendlichen über Sterben, Tod und Abschied sprechen kann. © Sofiia Shahaievska
Schorndorf.
Der Tod des kleinen Mädchens, das am Mittwoch (17.06.) von seiner Mutter im geparkten Auto mutmaßlich vergessen und erst Stunden später dort leblos entdeckt wurde, berührt auch Gabriele Schmidt-Klering. Wie viele andere, lässt das Schorndorfer Unglück die Trauerbegleiterin und Erzieherin im Ruhestand entsetzt und fassungslos zurück. Sprachlos ist sie nicht. Und sie rät auch Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften, mit Kindern darüber zu sprechen: „Wenn Kinder fragen, sollte man immer eine ehrliche Antwort finden“, ist die 68-Jährige überzeugt. In dem drastischen Fall rät sie aber dringend, den Schrecken, der einen selbst trifft, nicht zu übertreiben oder zu dramatisieren.
Sterben, Tod und Trauer sind schwere Themen, vor denen Erwachsene Kinder und Jugendliche am liebsten bewahren möchten. Doch sie werden nicht leichter, wenn man sie wegschiebt oder darüber schweigt. 2017 hat Gabriele Schmidt-Klering, die seit mehr als 20 Jahren im Familienzentrum Schorndorf Trauergruppen für Kinder und Jugendliche leitet, ein Buch zum Thema geschrieben. „Mit Kindern gemeinsam trauern“ – was sie in diesem Praxisbuch rät, gilt auch im Fall des verstorbenen Mädchens: Besser, man spricht mit Kindern über das schwierige Thema, als dass sie woanders an bruchstückhafte Informationen kommen.
Grundsätzlich empfiehlt sie Eltern und Großeltern, Erzieherinnen und Lehrern, Fragen zu Tod und Sterben – wie allen Kinderfragen – offen, zugewandt und ehrlich zu begegnen und mit dem Kind ins Gespräch zu kommen. Achtsamkeit ist für sie dabei die richtige Haltung. Auf keinen Fall, rät die Schorndorfer Trauerbegleiterin, sollte das Thema vertagt oder umgelenkt werden: „Das spüren die Kinder.“
Doch wie beginnen? Einleiten könnten Erwachsene das Gespräch so: „Dass alte Menschen sterben, ist normal, aber manchmal gibt es Krankheiten oder Unglücke, von denen auch Kinder betroffen sind – und das ist jetzt in Schorndorf passiert.“ Die erfahrene Trauerbegleiterin, die bis zu ihrem Ruhestand als Erzieherin in Schorndorfer Kindergärten gearbeitet und zuletzt die Kita Stadthaus geleitet hat, findet es wichtig, dem Kind zu signalisieren, „ich scheue mich nicht, mit dir darüber zu sprechen“. Vermeidet man das Thema, erleben Kinder, dass sie mit ihrer Bezugsperson nicht sprechen können. „Kinder allein zu lassen mit ihrer Phantasie, das ist nicht gut.“
Kommt dann im Gespräch womöglich die Frage auf, wo das tote Kind denn jetzt ist, empfiehlt Gabriele Schmidt-Klering, tröstliche Bilder zu finden, von denen man selbst auch überzeugt ist: Wer Himmel und Sterne nicht bemühen möchte, kann die Frage auch zurückgeben: Was denkst du? Tatsächlich sollte die Botschaft sein: Dieses kleine Mädchen ist jetzt bestimmt an einem guten Ort.
Dass das Unglück bei Kindern, die von den Umständen des Todes erfahren haben, Ängste vor dem eigenen Verlassenwerden auslösen kann, auch das ist möglich. Gabriele Schmidt-Klering würde in einem solchen Fall aber erklären, dass die Mutter das Kind vermutlich nicht absichtlich vergessen hat, sondern eine Störung, das „Vergessenes-Baby-Syndrom“ dahinter stecken kann: „Ich würde es als etwas ganz Seltenes beschreiben.“ Eltern, das sollte deutlich werden, passen auf ihre Kinder auf. Dass so etwas nie geschehen kann, das zu sagen, wäre aus Sicht der Trauerexpertin falsch – „aber es passiert so, so, so selten“.
Nur in einem Fall würde Gabriele Schmidt-Klering das Thema tatsächlich nicht ansprechen: „Wenn man davon ausgehen kann, dass das Kind es tatsächlich nichts mitgekriegt hat.“
Trauergruppen für Kinder und Jugendliche
Gabriele Schmidt-Klering leitet – gemeinsam mit Jaqueline Fröhlich – im Familienzentrum Schorndorf Trauergruppen für Kinder und Jugendliche. Die Teilnahme ist kostenlos, das Angebot wird über Spenden finanziert. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0 71 81/99 25 02, per Mail-Kontakt an kindertrauer-schorndorf.@web.de oder im Familienzentrum, Tel. 0 71 81/88 77 00. Bei Bedarf kommen die beiden Expertinnen auch in Schulen und Kindergärten.
Gabriele Schmidt-Klerings Praxisbuch „Mit Kindern gemeinsam trauern“ ist im Reinhardt-Verlag erschienen und zum Preis von 14,90 Euro erhältlich.
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