
Von Yvonne Weirauch
Veröffentlicht: 05.05.2026 14:38

Tanja Kistner hilft Menschen, die im Anträge- und Schriftdschungel nicht zurecht kommen. © Alexandra Palmizi
Schorndorf.
Unterstützung im Alltag beginnt oft bei ganz praktischen Fragen – nicht selten schon beim Ausfüllen von Formularen.
Genau hier setzt das Projekt „Fit am Stift“ im Familienzentrum in Schorndorf an. Dabei geht es aber nicht nur um Anträge und Paragrafen, sondern um Unterstützung, Verständnis und manchmal auch ein Stück Erleichterung. Eine, die sich ehrenamtlich genau dafür engagiert, ist Tanja Kistner.
Lange Zeit waren es die sogenannten Behördenlotsen, die Menschen mit Migrationshintergrund in Schorndorf halfen, sich im Dschungel aus Foärmularen, Fristen und Amtsgängen zurechtzufinden.
Doch nachdem die Finanzierung durch das Regierungspräsidium auslief, stand das Angebot vor dem Aus.
Aufgeben kam jedoch nicht infrage. „Wir haben ein neues Format“, erklärt Uta Panke von der Fachstelle Bürgerschaftliches Engagement. Aus den verbliebenen Behördenlotsen und den Ehrenamtlichen der Ausfüllhilfe entstand kurzerhand ein neues Konzept – ein echtes „Dreamteam“. Der Name: „Fit am Stift“.
Das Prinzip ist geblieben, die Idee gewachsen: Ehrenamtliche unterstützen Menschen beim Ausfüllen von Formularen, erklären bürokratische Abläufe und helfen dort, wo Sprache oder Unsicherheit zur Hürde werden. Die geschulten Ehrenamtlichen helfen außerdem bei der Vorbereitung von Behördenterminen, Verstehen von Anträgen in den Bereichen Kindergeld, Wohngeld, Bürgergeld, Grundsicherung, Schwerbehindertenrecht, Beantragung von Aufenthaltstiteln sowie Unterhaltsvorschuss.
Eine dieser Ehrenamtlichen ist Tanja Kistner – und sie steht stellvertretend für weitere Ehrenamtliche, die im Hintergrund Großes leisten.
Die 41-Jährige bringt nicht nur Engagement mit, sondern auch Erfahrung.
Als gelernte Versicherungskauffrau arbeitet sie hauptberuflich im Jobcenter – und kennt sich daher bestens mit Anträgen und behördlichen Abläufen aus. Einmal pro Woche ist sie zusätzlich im Familienzentrum aktiv. „Ich freue mich, dass ich Menschen unterstützen kann. Ich kann mein Wissen hier nützlich anwenden“, sagt sie. Für Kistner, Mutter von drei Kindern im Alter von fünf, neun und zwölf Jahren, ist das Ehrenamt kein Pflichtprogramm, sondern eine Herzensangelegenheit.
Die Menschen, die zu „Fit am Stift“ kommen, haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Viele haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, andere kämpfen mit dem Verständnis komplizierter Formulierungen. Wieder andere wissen schlicht nicht, wo sie anfangen sollen. Genau hier setzt die Hilfe an: gemeinsam Formulare durchgehen, Fragen klären, Unsicherheiten abbauen. „Eine Dankbarkeit ist immer spürbar“, beschreibt Kistner die Begegnungen – und genau das motiviert sie.
Damit die Unterstützung effektiv ist, wird schon bei der Anmeldung darauf geachtet, dass alle nötigen Unterlagen mitgebracht werden. Die Termine sind verbindlich, die Zeit ist genau eingeplant. Denn jeder Fall ist anders: „Manches nimmt mehr Zeit in Anspruch, beispielsweise wenn es Verständlichkeitsprobleme gibt“, erklärt Kistner. Geduld gehört genauso dazu wie Fachwissen.
Herausforderung liegt in der fortschreitenden Digitalisierung
Eine besondere Herausforderung sieht sie in der fortschreitenden Digitalisierung. Viele Anträge müssen inzwischen online oder über Apps ausgefüllt werden – und das ist nicht immer ein Vorteil. „Es gibt zahlreiche Apps, mit denen man Formulare ausfüllen soll – und dann gibt’s Fehler im System und es funktioniert nicht“, sagt sie. Manchmal sei der klassische Weg mit Papier und Stift sogar schneller und zuverlässiger. Und dann ist da noch das berüchtigte „Bürokratie-Deutsch“: kompliziert, verschachtelt und selbst für Muttersprachler nicht immer leicht zu verstehen. „Das stellt uns selbst ja auch manchmal vor Probleme“, gibt sie zu.
Doch es gibt auch Momente, in denen alles ganz leicht geht. Zum Beispiel beim Antrag auf Arbeitslosengeld II. Da muss Kistner schmunzeln: „Das ist klar aus meinem Berufsfeld. Da muss ich nicht lange nachdenken und weiß, was anzukreuzen ist.“
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