
Das Kind schreit, tobt und lässt sich durch nichts beruhigen: Eltern kennen diese Situationen. Egal was versucht wird, nichts scheint einen solchen Wutanfall stoppen zu können. Im Workshop „Hilfe, mein Kind tobt!“ im Familienzentrum in Schorndorf, hat Sozialpädagogin und Familiencoach Jessica Hrusa Tipps gegeben, was Eltern tun können. Einerseits, um ihr Kind in der emotionalen Situation zu begleiten, andererseits, um die eigene Wut zu kontrollieren.
Wut ist eine Emotion, die von Kindern erst erlernt werden muss, sagte Jessica Hrusa. Damit sie sich beruhigen, sei eine Bezugsperson zur Co-Regulation nötig. Die Gefühle des Kindes folgen in einem solchen Moment einem Impuls, so die zweifache Mutter. Eltern müssten sich deutlich machen: „Es ist nie gegen uns gerichtet.“ Um das Kind zu unterstützen, sollten die Eltern der stabile Fels sein.Wut als Resultat von Überforderung
Wut und Frustration entstehen oft aus einem Gefühl der Überforderung, so Jessica Hrusa. Bei Erwachsenen sei das im Grunde ähnlich. Oft resultiere das aus Handlungsaufforderungen, die einfach noch zu viel seien. Die Sozialpädagogin nannte ein Beispiel: Einem Fünfjährigen wird gesagt, dass er sein Zimmer aufräumen soll. Was er tun soll, müsse konkreter formuliert werden, etwa dass er seine Bücher in das Regal räumen soll. Es sei wichtig, häppchenweise und konkret zu kommunizieren.
Jessica Hrusa kann nachvollziehen, dass Eltern ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen möchten, rät aber davon ab, zu viele Fragen zu stellen. Denn: „Eltern müssen auch Orientierung geben.“ Fragen, bei denen die Antwort vorher schon klar sei, seien unfair. Zum Beispiel: „Wollen wir uns anziehen?“ Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass ein Nein eine Option ist.Auch Kinder haben lange Tage
Oft kommt es zu Wutanfällen, nachdem die Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule abgeholt wurden, so Jessica Hrusa. Auch Kinder haben lange Tage, sind von vielen anderen Kindern umgeben und müssen in Schule oder Kindergarten Regeln befolgen, sagt sie. Zu Hause hätten sie dann keine Kraft mehr und bräuchten eigentlich eine Ruhepause. Die Sozialpädagogin empfiehlt Verständnis aufzubringen und sich deutlich zu machen, dass der Emotionsausbruch des Kindes nichts mit einem selbst zu tun hat. Es könne hilfreich sein, zu schauen, wo im Alltag Ruhepausen eingebaut werden könnten. Oft stecke hinter Wut oder Frust nach einem langen Tag auch einfach Hunger – wie bei Erwachsenen. Eine Ausnahme stellt für Jessica Hrusa die Mediennutzung dar. Da müsse eine Konfrontation eingegangen und das Abschalten von Geräten geübt werden.
Was ebenfalls zu einem Wutanfall führen könne, ist das Thema Selbstwirksamkeit. Ist der Tag fremdbestimmt, gebe es die Möglichkeit, kleine Situationen zu schaffen, in denen die Kinder Entscheidungen treffen dürfen. Etwa welches Spiel sie spielen möchten. Förderlich ist laut Jessica Hrusa außerdem, wenn das Kind Aktivitäten nachgehen kann, in denen es Erfolg hat. „Stolz hilft, mit Wut besser umzugehen.“ Eltern könnten den Frust rausnehmen, indem sie sich auf die Dinge konzentrieren, die sie geschafft haben und die gut gelaufen sind.Eltern sollen Gefühle benennen – auch die eigenen
Im Workshop legte sie den anwesenden Eltern außerdem nahe, Gefühle zu benennen: „Sprecht mit euren Kindern über Gefühle, auch über eure eigenen.“ Denn erst, wenn ich etwas benennen kann, kann ich anfangen, zu handeln, so Jessica Hrusa. Ziel müsse sein, von einem Zustand, in dem das Kind blind vor Wut ist, zum Fühlen der Emotion zu kommen und dann Strategien zu finden, um damit umzugehen.
Als konkrete Strategien nannte sie unter anderem Bewegung, ein Wutkissen, auf das die Kinder draufschlagen können oder eine Wutkiste. Was sich in der Kiste befindet, kann mit den Kindern zusammen überlegt werden, so die Sozialpädagogin. Manchen Kindern helfe Lego, anderen helfe es zu malen, die Wut expressiv aufs Blatt zu bringen.Elternbildung im geschützten Rahmen
Der Elternbildungsabend soll stellvertretend für das stehen, was Elternbildung im Familienzentrum ausmacht, so Simone Halle-Bosch, Sachgebietsleitung Familie und Prävention bei der Stadt Schorndorf: „Ganzheitlich, alltagsnah und im geschützten Rahmen.“ Ziel solcher Veranstaltungen für Familien (es finden fortlaufend welche statt) sei es, „nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern Räume zu eröffnen – für Austausch, Verständnis und Entlastung“.
Auch künftig will das Familienzentrum solche Abende anbieten, „zu Themen wie Umgang mit Medien, Geschwisterkonflikte, Bindung und Beziehung oder Stressbewältigung im Familienalltag“.
Elternbildung: Kommende Veranstaltungen
Die Angebote sind kostenlos. Weitere Infos unter www.familienzentrum-schorndorf.de/termine/.
Mehr Infos zur Referentin Jessica Hrusa unter www.jessicahrusa.de.
Von Nina Förster Schorndorf.
Foto: Danijel Grbic